KunstantiquariatFriedrich Piesk

Wilhelm Geyer

Geboren am 24. Juni in Stuttgart, studierte er nach dem Abitur und kurzem Kriegseinsatz von 1919-1926 an der dortigen Kunstakedemie, wo er Meisterschüler von Christian Landenberger war. Befreundet mit den Malern Franz Frank, Walter Wörn, Joseph Kneer, Herta Rössle u.a., wandte er sich Mitte der 20er Jahre auch biblischen Themen zu.
Seit 1927 in Ulm als freier Künstler ansässig, heiratete er im darauffolgenden Jahr Clara Seyfried. Aus der Ehe gingen fünf Söhne und eine Tochter hervor.
Er war Gründungsmitglied der 1929 ins Leben gerufenen 'Stuttgarter Sezzesion', deren Vorsitz er übernahm. Neben lithografischen Folgen zu literarischen Werken z. B. Selma Lagerlöfs Roman 'Gösta Berling' entstanden religiöse Grafik-Zyklen, aber auch Landschaften, Porträts, Interieurs, Familien- und Altarbilder. 1935 erhielt er seinen ersten Auftrag für Glasfenster, dem viele weitere folgten.
Von 1940-1942 zum Kriegsdienst eingezogen, verkehrte er ab 1943 mit dem Philosophen Theodor Haecker sowie mit Karl Muth, dem Herausgeber der Kulturzeitschrift 'Hochland' und kam in Berührung mit dem Kreis um die 'Weiße Rose" (Hans und Sophie Scholl). Daraus resultierte eine hunderttägie Gestapohaft in München-Neudeck.
Es folgten nach Kriegsende Jahre ungebrochener Produktivität. Sie fand Ausdruck in großen Wandbild- und Glasfensteraufträgen in etwa 150 Kirchen und Kapellen, aber auch in grafischen Mappen ('Hiob', 'Moses', 'Kairos'), in Illustrationen zu Thomas Wolfe ('Das Geweb der Erde', 'Von Zeit und Strom'), in ca. 400 Blumenaquarellen, zahlreichen Pastellen und in den späten Landschaftsbildern, die infolge ihrer skizzenhafte Spontaneität und formalen Reduktioin bisweilen in den Bereich der Abstraktion vordringen.
In seinem Wirkungskreis zu Lebzeiten hochgeschätzt, wie die große Zahl der Ausstellungen und auch Auszeichnungen wie der Oberschwäbische Kunstpreis (1954) und die Goldmedaille für Glasmalerei der Bienale für christliche Kunst in Salzburg (1957) belegen, starb er am 5. Otober 1968 in Ulm.

 

Ausgewählte Literatur:

Rainer Zimmermann, Wilhelm Geyer. Leben und Werk des Maler, Berlin 1971.

Rainer Zimmermann, Heilsbotschaft in Bildern. Malerei, Graphik und Monumentalkunst von Wilhelm Geyer, in:
R. Zimmermann, Expressiver Realismus. Malerei der verschollenen Generation, München 1994.

Wolfgang Schürle (Hrsg.) Wilhelm Geyer 1900-1968. Die letzten Jahre. Pastelle und Aquarelle, Ulm, 1998.

Martin Kessler, Brigitte Reinhardt, Wolfgang Urban (Hrsg), Wilhelm Geyer zum 100 Geburtstag, Ulm 2000.